Aggressive Führung

Gepostet von am Feb 6, 2015 in Blog

Aggressive Führung

Gute Führung und aggressive Kommunikation vertragen sich nicht. Eine Studie an der University of Vermont kommt zum Ergebnis, dass feindseliges Führungsverhalten (verbale und nonverbale Abwertungen von Mitarbeitern) oft seinen Ursprung in der Streitsucht der Eltern hat. Die Ergebnisse wurden im Journal of Applied Psychology veröffentlicht, eine Zusammenfassung findet sich in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Wirtschaftspsychologie

Aggressive Manager sollten laut Managementprofessor Patrick Garcia erst gar nicht eingestellt werden, wenn ja, dann tut ein Führungskräftetraining not (sofern sich die schreienden Chefs darauf einstellen). Feindseliges Führungsverhalten kann man daran erkennen, wie aggressiv der Grundton der Führungskraft ist, ob es zu Demütigungen kommt oder schnell nach Sündenböcken für Fehlverhalten gesucht wird.

Vorgesetzte (und nicht nur diese) lernen aggressive Kommunikationsformen meist früh, sprich in der Kindheit. Das Team um Garcia befragten etwa 650 (philippinische) Führungskräfte und deren Mitarbeiter, zum Teil auch Elternteile der Manager, zu aktuellem und damaligem Streitverhalten. Das Ergebnis ist eindeutig: Feindselige Führungskräfte hatten eine aggressive Erziehung – Je öfter Schreien und Co im Elternhaus vorkamen, desto häufiger ist die Feindseligkeit des Chefs. Genannt werden dann arbeitsplatzbezogene Einstellungen wie „Wenn man sich ärgert, ist es okay, gemeine Dinge zu anderen zu sagen“ oder „Ich denke lange an Ereignisse, die mich ärgern“. Auch treten häufiger zornige Gefühle auf und werden häufig Demütigungen ausgeteilt. Besonders intensiv ist der Einfluss der aggressiven Familiengeschichte, wenn Wut durch längeres Grübeln und Aufstauen angestachelt wird.

Ungeachtet der möglichen kulturspezifischen Zusammenhänge zwischen Herkunftsfamilie und eigenem späteren Verhalten (Einflüsse der kollektivistischen philippinischen Kultur) bestätigen sozialkognitive Lerntheorien die Wirkung von Modelllernen hinsichtlich eigener Rollendefinitionen und Kommunikationsmuster. Die gute Nachricht ist: Was gelernt wurde, kann auch wieder verlernt bzw. korrigiert werden – beispielsweise in einem Training oder individuellem Coaching der sozialen Kompetenz. Aggressive Führungskräfte können lernen, ihre Gedanken und Impulse zu kontrollieren und respektvolle Kommunikationsformen aufbauen. Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich für das Kehren vor der eigenen Tür zu öffnen, Rückmeldungen anzunehmen und die eigenen Selbstbilder und Fremdwahrnehmungen anzugleichen.

Ein guter, theoretisch wie pragmatischer Leitfaden für Unternehmen und Personalentwicklungen findet sich im Buch „Persönlichkeitscoaching – Acht Schritte zur Führungsidentität“ von Kerstin Riedelbauch und Lothar Laux (Rezension von Jörg Pscherer beim Klick auf den Link).