In der Ruhe liegt die Kraft

Gepostet von am Sep 9, 2013 in Blog

In der Ruhe liegt die Kraft

Energie und Entspannung sind zwei Pole einer Dimension: Selbstwirksamkeit.

Leistungsorientierte Menschen suchen bewusst Herausforderungen, motivieren sich durch Aufgaben und (vorweggenommene) Erfolge. Ehrgeiz beflügelt, da er die sogenannte Selbstwirksamkeit anregt,  den Glauben an die eigene Kraft etwas zu bewirken. So dreht sich eine positive Spirale, die mit subjektiver Kontrolle, Gestaltungswillen und realen Erfolgen verknüpft ist, die wiederum den eigenen Wirksamkeitsglauben stärken.

Diese Zuversicht, schwierige oder gar unmöglich erscheinende Situationen zu bewältigen, ist seit Menschengedenken ein faszinierendes Phänomen. Wenngleich so mancher Machbarkeitsglaube bedenkliche Risiken erzeugt (Beispiel Atomtechnik), ist gerade in der Arbeitswelt kein Entwicklungsprojekt ohne Selbstwirksamkeit des Einzelnen oder des Teams möglich (der Begriff  wurde in den siebziger Jahren vom Sozialpsychologen Albert Bandura geprägt). Nicht nur Entdecker und Erfinder kennen diese Zuversicht, fähig zu sein – ein geistiger Treibstoff, der über Hürden und Hindernisse hinweghilft.  Arbeitsfreude und Ausdauer im alltäglichen Leistungsgetriebe sind ein Ergebnis von Zielbewusstsein und Möglichkeitsdenken.

Dieser Mechanismus hat natürlich Grenzen – von außen gesetzte wie etwa durch Vorgaben von Vorgesetzten, Projektblockaden, kollegiale Konfliktherde oder generelle Faktoren wie die Unternehmens- und Marktlage. Dann gibt es da aber auch interne, persönliche Konflikte, die – durchaus mit einem gewissen Sinn – eigenes Vorwärtsstreben behindern. Der “innere Zensor” hemmt narzistische Ich-Inflation á la Armstrong. Da spricht etwa kritisches Zögern gegen hastige Umsetzungspläne, Belastungsmarker hadern mit ungestümem Tatendrang, selbstkritische Gedanken hinterfragen Ego-Trips. Wie sind solche scheinbaren Widersprüche am besten zu nutzen?

Mit authentischer, gelassener Selbstwirksamkeit. Mut mit Innehalten ist ganzheitlich und gleicht konfligierende Faktoren so aus, dass sie sich nicht gegenseitig im Weg stehen. Wie Teammitglieder, die ihre unterschiedlichen Stärken integrieren: Dem Kreativkopf hilft der Prüfschädel und beide handeln mit dem Planer eine realisierbare Lösung aus. Auf der individuellen Ebene heißt das, bewusste Ziele und Handlungsabsichten mit eigenen Fertigkeiten und auch mehr oder minder bewussten Bedürfnissen abzustimmen. Zum Beispiel wird dann der mit Lebensveränderungen verbundene Karrierewunsch auf das eigene Sicherheitsbedürfnis hin geprüft. Ratio, Gefühl und Möglichkeiten sitzen sozusagen am runden Tisch und finden einen einvernehmlichen Weg, der natürlich auch etwas kostet (im obigen Beispiel die Notwendigkeit die familiäre Belastung durch Ortspendeln.) Das Endergebnis sollte stimmig sein und ein insgesamt „gutes Gefühl“ erzeugen.

Klar ist zur Überwindung von Hürden mehr oder weniger Mühe und Selbstdisziplin nötig. Training und Talente braucht es gerade beim Erlernen neuer Verhaltensmuster – und bisweilen Glück, man denke an den Tellerwäscher-Millionär (der seine Fähigkeiten zu nutzen versteht). Wenn aber das Gefühl für das eigene Können fehlt, nützen die besten Talente nichts. „Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann“, so die österreichische Erzählerin Marie von Ebner-Eschenbach, „so ist es der Glaube an die eigene Kraft“. Und diese resultiert aus persönlichen Quellen wie Selbstfürsorge, gesundem Ehrgeiz, Selbstsicherheit und Kommunikationsstärke.

Was fördert nun eigenes Erfolgs- und Effizienzdenken? Was gibt die Kraft und den Willen zur Bewältigung von gegenwärtigen und Zukunftsaufgaben? Was ist die Quelle des „Treibstoffes“, der berufliche und private Aufgaben meistern lässt? Den Schlüssel hierzu liefern die eigenen Ressourcen. Allgemein versteht die Gesundheitsforschung unter Ressourcen gesundheitsfördernde Einflüsse, so genannte Protektivfaktoren. Sie helfen, seelisch-körperliches Wohlbefinden zu stärken und zu schützen. Das Individuum strebt, so der Forscher Klaus Grawe, danach, „kongruente Erfahrungen“ zu machen, also eigene Motive, Umweltfaktoren und fremde Bedürfnisse in Einklang zu bringen. Persönliche Ressourcen helfen dabei, indem sie Wollen und Können in ein optimales, weil stimmiges Verhältnis setzen.

Das ist wie ein innerer Lehrer, der auf Erfahrungen vertraut, gute vermehrt, aus negativen lernt und sich nur maßvoll ärgert. Probleme werden als Chancen künftigen Gelingens gesehen. Eine selbstwirksame, ressourcenaktive Haltung mag durchaus beharrlich sein, aber ohne sture Endlosschleifen. Laut Erich Kästner gibt es bekanntlich nichts Gutes, außer man tut es. Mutig sein und auch ein Einsehen haben, wenn etwas nicht oder nur zu einem überhöhten Preis möglich ist. Genau das ist Selbstwirksamkeit, die offen ist für Alternativen, sorgsam Grenzen achtet und Möglichkeiten nicht mit Tatsachen verwechselt. So tun sich überraschend neue oder auch bekannte, bisher nicht genutzte Wege auf. Und das sogar mit Freude.