Tipps gegen eine gute Präsentation

Gepostet von am Dez 5, 2013 in Humor

Tipps gegen eine gute Präsentation

Von Kurt Tucholsky (1930) kommen Ratschläge für einen schlechten Redner:

“Fang nie mit dem Anfang an, sondern immer drei Meilen vor dem Anfang. Etwa so: “Meine Damen und Herren! Bevor ich zum Thema des heutigen Abends komme, lassen Sie mich Ihnen kurz …” Hier hast Du schon ziemlich alles, was einen schönen Anfang ausmacht: eine steife Anrede; der Anfang vor dem Anfang: Die Ankündigung, daß und was Du zu sprechen beabsichtigst, und das Wörtchen kurz. So gewinnst Du im Nu die Herzen und die Ohren der Zuhörer.

Denn das hat der Zuhörer gern: daß er Deine Rede wie ein schweres Schulpensum aufbekommt; daß Du mit dem drohst, was Du sagen wirst, sagst und schon gesagt hast. Immer schön umständlich. Sprich nicht frei – das macht einen so unruhigen Eindruck. Am besten ist es: Du liest Deine Rede ab. Das ist sicher, zuverlässig, auch freut es jedermann, wenn der lesende Redner nach jedem viertel Satz hochblickt, ob auch noch alle da sind …

Sprich mit langen, langen Sätzen – solchen, bei denen Du, der Du Dich zu Hause, wo Du ja die Ruhe, deren Du so sehr benötigst, Deiner Kinder ungeachtet, hast, vorbereitest, genau weißt, wie das Ende ist, die Nebensätze schön ineinander geschachtelt, so daß der Hörer, ungeduldig auf seinem Sitz hin und her träumend, sich in einem Kolleg wähnend, in dem er früher so gern geschlummert hat, auf da Ende solcher Periode wartet … nun, ich habe Dir eben ein Beispiel gegeben. So mußt Du sprechen.”

Eine kürzliche persönliche Erfahrung ergänzt Tucholskys Ratschläge für eine schlechte Präsentation: Man müsste meinen, Lehrer wissen es besser, besser noch – machen es besser. Weit gefehlt.  Bei einer Schulpräsentation quollen mir als wohlwollendem Elternteil die Augen aus den Höhlen; denn ich habe beim besten Willen in einer der hinteren Reihen kaum Inhalte der sicher gut gemeinten Beamer-Folien erkennen können. Meine Brillenstärke war nicht schuld, sondern die klitzekleinen Wortgrößen und Satzungetüme. Aber: Es gibt ja nichts Gutes, außer man tut es. Zehn Reihen weiter vorne konnte ich dann doch wenigstens die Hälfte des Zugemuteten erkennen.

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